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Ratgeber 6 min Lesezeit 24. Juli 2026 3 Leser

Telegram und die Strafverfolger: Warum Telegram kein sicherer Messenger ist

Telegram gilt vielen als sicher — ist aber nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt und gibt seit der Festnahme von Gründer Pavel Durov IP-Adressen und Telefonnummern an Strafverfolger weiter. Was wirklich dahintersteckt.

Telegram hat fast eine Milliarde Nutzer und den Ruf eines „sicheren" Messengers. Beides passt schlecht zusammen — aus zwei Gründen.

Mythos 1: Telegram ist nicht standardmäßig verschlüsselt

Das Wichtigste zuerst: Normale Telegram-Chats, Gruppen und Kanäle sind nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Sie werden „Cloud"-verschlüsselt auf Telegrams Servern gespeichert — der Anbieter hat also technisch Zugriff. Nur die optionalen „Secret Chats" sind echt Ende-zu-Ende-verschlüsselt, und die gibt es ausschließlich für Einzelchats, nie für Gruppen oder Kanäle. Die allermeisten Nutzer schalten sie nie ein. Wer glaubt, „Telegram ist ja verschlüsselt", irrt im Normalbetrieb.

Mythos 2: Telegram gibt keine Daten heraus

Das galt vielleicht mal — heute nicht mehr. Im August 2024 wurde Telegram-Gründer Pavel Durov in Frankreich festgenommen und angeklagt; ein zentraler Vorwurf war die fehlende Kooperation mit den Behörden (Telegram habe auf justizielle Anfragen „so gut wie gar nicht" reagiert). Kurz darauf, im September 2024, änderte Telegram seine Datenschutzrichtlinie: Der Dienst gibt seither IP-Adressen und Telefonnummern von Verdächtigen an Strafverfolger heraus — auf gültige richterliche Anordnung und nach interner Prüfung. Vorher galt das nur für Terrorverdacht; jetzt für ein breites Spektrum an Straftaten (Cybercrime, illegaler Handel, Betrug).

Die Zahlen sprechen fĂĽr sich

Bis Ende September 2024 hatte Telegram (nur Terror) gerade einmal 14 Anfragen zu 108 Nutzern erfüllt. Danach explodierte es: Allein von Oktober bis Dezember 2024 stieg die Zahl der erfüllten Anfragen auf rund 900 — Tendenz stark steigend. Durov behauptet, es habe sich „wenig geändert". Die Zahlen sagen etwas anderes.

Einordnung: schlechter als sein Ruf

Zur Erinnerung an den ProtonMail-Fall: Dort konnte der Anbieter die Inhalte nicht lesen (Ende-zu-Ende) und wurde nur unter einem konkreten Gerichtsbeschluss zur Herausgabe von Metadaten gezwungen. Bei Telegram sind die Standard-Chats gar nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt — und die Datenweitergabe ist inzwischen breit angelegt. Telegram schneidet also schlechter ab, als viele denken. Fair bleibt: Diese Öffnung ist eine legitime Reaktion auf rechtlichen Druck — aber sie zeigt, worauf man sich eben nicht verlassen kann.

Was das fĂĽr dich bedeutet

  • Nutze einen Messenger, der standardmäßig Ende-zu-Ende-verschlĂĽsselt ist — nicht nur optional. Und der keine Telefonnummer als Identitäts-Anker verlangt. Genau das ist VOID (Matrix, eigener No-Logging-Server, keine Föderation). Der direkte Vergleich: VOID vs. Signal, WhatsApp & Threema.
  • Metadaten minimieren: Was gar nicht erst anfällt, kann auch nicht herausgegeben werden — mehr dazu in Metadaten: Was dein Messenger verrät.
  • Gerät härten: ein degoogltes System als Basis — die SaferPhone-Modelle mit GrapheneOS.

Fazit

Telegram ist ein guter Broadcast- und Community-Dienst — aber kein privater Messenger. Standard-Chats sind nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt, und seit Herbst 2024 fließen IP-Adressen und Telefonnummern auf Anfrage an die Behörden. Wer Vertraulichkeit braucht, sollte auf echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung by default und Metadaten-Sparsamkeit setzen — nicht auf einen guten Ruf.

Quellen (Auswahl)

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