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Technik 6 min Lesezeit 19. Juli 2026 22 Leser

GrapheneOS vs. BKA & LKA: Was deutsche Ermittlungsbehörden wirklich können

Setzen BKA und LKA eigene Methoden gegen verschlüsselte Smartphones ein, oder verlassen sie sich auf dieselben kommerziellen Tools wie alle anderen? Eine Einordnung auf Basis öffentlicher Quellen.

Eine Frage, die uns häufig erreicht: Kommen deutsche Behörden wie das BKA oder die Landeskriminalämter (LKA) trotzdem an ein GrapheneOS-Gerät heran, selbst wenn kommerzielle Anbieter wie Cellebrite an Grenzen stoßen? Wir haben uns die öffentlich verfügbaren Informationen dazu angesehen.

Deutsche Behörden nutzen dieselben kommerziellen Tools

Nach allem, was öffentlich dokumentiert ist, verfügen deutsche Ermittlungsbehörden über keine eigenständige, geheime Entschlüsselungstechnologie, die über das hinausgeht, was kommerzielle Anbieter wie Cellebrite, MSAB oder GrayKey liefern. Verschiedene Landeskriminalämter — etwa das Berliner LKA mit seinem auf Mobilfunkforensik spezialisierten Dezernat 71 — setzen genau diese kommerziellen Extraktionswerkzeuge ein, dieselben, die auch in anderen Ländern zum Einsatz kommen.

Auch eine 2024 öffentlich gewordene, rund 900 GB große Sammlung interner Cellebrite-Supportanfragen zeigt: Deutsche Ermittler wenden sich bei technischen Problemen an den Cellebrite-Kundensupport — ein Beleg dafür, dass sie auf dasselbe kommerzielle Ökosystem angewiesen sind wie jede andere Behörde weltweit, nicht auf eine eigene Spezialtechnik.

Ein dokumentierter Fall: Wenn selbst ZITiS nicht reinkommt

Bereits 2020 wurde öffentlich bekannt, dass im Ermittlungsverfahren zu einer rechtsextremen Anschlagsserie weder die Polizei noch die auf genau solche Fälle spezialisierte Bundesbehörde ZITiS (Zentrale Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich) ein sichergestelltes, verschlüsseltes Gerät entschlüsseln konnten. Das zeigt: Selbst mit Sonderbehörden im Rücken sind deutsche Ermittler nicht automatisch in der Lage, moderne Verschlüsselung zu brechen.

Was das fĂĽr GrapheneOS bedeutet

Da BKA und LKA nachweislich auf dieselben kommerziellen Werkzeuge angewiesen sind wie alle anderen Nutzer dieser Systeme, gilt für sie im Kern dasselbe wie in unserem Artikel zu GrapheneOS vs. Cellebrite beschrieben: Ein aktuell gehaltenes GrapheneOS-Gerät ist nach heutigem öffentlichem Kenntnisstand für die verfügbaren forensischen Extraktionsmethoden ungewöhnlich widerstandsfähig — unabhängig davon, welche Behörde das Tool bedient.

Die ehrliche Einschränkung

Wir können nicht ausschließen, dass Behörden über nicht-öffentliche Fähigkeiten verfügen, die (noch) nicht dokumentiert sind — das lässt sich von außen grundsätzlich nicht beweisen. Was wir seriös sagen können: Es gibt aktuell keine öffentlichen Belege für eine eigenständige BKA- oder LKA-Fähigkeit, aktuelle GrapheneOS-Geräte zu entschlüsseln, die über die bekannten kommerziellen Werkzeuge hinausgeht. Und genau bei diesen Werkzeugen zeigen die verfügbaren Dokumente deutliche Grenzen.

Quellen: netzpolitik.org — Polizei und ZITiS können Geräte nicht entschlüsseln (2020), netzpolitik.org — Cellebrite bei bayerischer Behörde (2022), Vice — Wie deutsche Ermittler beschlagnahmte Smartphones knacken

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